Donnerstag, 5. november 2009 4 05 /11 /2009 22:48
Genau bei diesem Zeitpunkt hob er seinen Kopf, sah mich mit brennendem Blick reglos an. Dann verzogen sich seine Lippen zu einem gepressten Lächeln und trocken äusserte er: „Es freut mich zu sehen, dass es Dir nicht anders geht als mir. Die sanfte Röte in Deinem Gesicht steht Dir wirklich gut, Renée!“

Ein anderes Mal massierte er unter dem Tisch, vom Referenten und den übrigen Teilnehmer unbemerkt, nur meine Hand. Die abwechselnd temporeichen und langsamen Rundungen seiner Fingerkuppeln glitten jedem Zwischenraum meiner Fingerknochen entlang, unaufhörlich. Als er seine Bewegungen stoppte, geschah dies nur, um seine Finger mit seinem süssen Speichel zu benetzen. Mit diesem Tau benetzte er mein Handgelenk, um es sodann auf den Tisch zwischen uns zu legen und diese erogene Zone immer wieder stossweise mit einem Atemhauch zu beglücken. Es war eine langsame Spielart der Erotik, die sich in der Geduld entfaltete. Zusammen mit dem Reiz, dies vor zahlreichen Augenpaaren unbemerkt auszukosten, steigerte die Phantasie wie die Spannung um einiges mehr. So unschuldig diese Geste für den unbeteiligten Beobachter auch scheinen mag, in Verbindung an die zahlreichen anderen Intermezzi zwischen Lucca und mir war dies ein Höhepunkt der stoischen Verführungskunst. Lucca war mein Casanova, der mich für andere Männer unerreichbar gemacht hat. Ich verfiel ihm vollkommen – mein Stolz, meine Emanzipation und mein inneres Gleichgewicht lösten sich auf, angesichts dieses Mannes. Ich wollte seine weiche, anschmiegsame Frau sein, strebte nur nach dem Empfang seiner phantasievollen Zärtlichkeiten, seinen edlen Liebkosungen und nach dem Einstürzen seiner strengen Selbstbeherrschung und den Zügeln seiner Kontrolle über seinen ausgeprägten Sexualtrieb. Denn diese Zügel gab Lucca nie frei, im Gegenteil, er hielt die Kraft des animalischen, verschlingenden, leidenschaftlichen Triebes immer in seiner Gewalt. Er liess seine sexuelle Energie immer in kleinen Dosen auf mich niederprasseln, nie zuviel und nie zu lange – konzentriert und komplett ernüchternd bewusst. Aber ich sah es in seinen Augen, wie sehr er mich auch begehrte, wie viel Mässigung es ihn kostete, nicht in meine erotischen, rot-triefenden Gewässer einzutauchen und sich in diesen glühenden Nebeln zu verlieren. Nur einmal, ja, einmal wäre es fast geschehen. Wir trafen uns an diesem Morgen im Speiseraum des Hotels früher als sonst zum Frühstück. Eine intensive Unterhaltung zwischen uns begann mit geistvollen Sticheleien. Jeder von uns bezirzte den anderen mit Charme und Humor. Als die Kellner die Tische für das Mittagessen deckten, nahmen wir gleichzeitig gewahr, wie die Zeit verstrichen war – und dass wir erheblich mit Verspätung im Seminar eintreffen würden. Wir rannten zum Gebäude unserer beruflichen Schulung und betraten keuchend die Gänge des Schulhauses. Plötzlich packte Lucca mich heftig am Oberarm und riss mich in eine versteckte, dunkle Nische, drückte mich energisch an seinen Körper. Seine Lippen rieben sich stürmisch auf den Meinen und seine Zunge drängte sich roh in meine Mundhöhle hinein. Dieser Kuss schien mir, als wolle Lucca mich ausplündern, besitzergreifend mit diesem Kuss mich als die Seine markieren. Ich reagierte sofort und begeistert mit meiner Zunge auf diesen dominanten Kuss von Lucca. Doch liess ich entgegen Luccas Zunge die meine gemächlich um die seine schlingen, strich sanft mit der Zungenspitze über seine Zähne und wollte mit ihm zu einem rhythmischen, lasziven Spiel ansetzen. So wie wir uns seither immer geküsst hatten, in den Schwingungen unseres intimen Überein-Seins, dessen Rhythmus mich und ihn unersättlich machten, lechzend und sehnend danach.

FORTSETZUNG FOLGT AM
SAMSTAG, 7.NOVEMBER
UM 23.53 UHR
von Vivienne Vernier - veröffentlicht in: Vierte Story - Community: Erotische Geschichten
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Zur Definition

arte kommt von ars, artis und bedeutet: Handwerk, Gewerbe. Handwerkszeug, treiben; Geschicklichkeit, Kunstfertigkeit. Beharrlichkeit; Mittel und Wege. Kunstgriff, Kniff; Handlungsweise, Eigenschaft, üble Gewohnheiten; Kunst, Wissenschaft. Dialektit; Dichtkunst; Beredsamkeit; Kunstlehre, Kunsttheorie. Nach den Regeln der Kunst; Gefühl für Kunst.

PORNO wird so definiert: Das aus dem Altgriechischen abgeleitete Kunstwort „Pornografie“ bedeutet wörtlich unzüchtige Darstellung; von griechisch πόρνη (pórne) = Dirne, πόρνος (pornos) = Hurer, auch Unzüchtiger, πορνεία (porneía) = Unzucht und altgriechisch γραφειν (graphein) = malen, schreiben, beschreiben.
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