Samstag, 7. november 2009
6
07
/11
/2009
23:53
Ich reagierte sofort und begeistert mit meiner Zunge auf diesen dominanten Kuss von
Lucca. Doch liess ich entgegen Luccas Zunge die Meine gemächlich um die Seine schlingen, strich sanft mit der Zungenspitze über seine Zähne und wollte mit ihm zu einem rhythmischen, lasziven
Spiel ansetzen. So wie wir uns seither immer geküsst hatten, in den Schwingungen unseres intimen Übereinseins. Dessen Rhythmus mich und ihn unersättlich machten, lechzend und sehnend danach.
„Und dann habt ihr endlich miteinander geschlafen dank seinem Verlust der Beherrschung? Dann endlich hattet ihr wilden, hemmungslosen, animalischen Sex?“ unterbrach
Janine meine Erzählung entnervt.
Abrupt kehrte ich aus meinen Gedanken zurück. Sah Janine mit ihren zusammengezogenen Augenbrauen und ihrem ungeduldigen Blick.
„Entschuldige, ich war in meinen Gedanken zu tief in die Vergangenheit zurückgekehrt. Was hast Du mich gefragt?“
„Wann Du bei diesem Mann schliesslich die Entspannung dieser unmenschlichen Anspannung gefunden hast!“ rotzte sie mich an.
Ich musste beim Anblick von Janines grimmigem Gesicht einfach laut loslachen. Was sie wiederum überhaupt nicht erheiternd fand. Um die gemütliche Atmosphäre
zwischen uns nicht zu zerstören, beherrschte ich mein Kichern und antwortete ihr so gut es ging mit einem Nein.
Sie warf sich stöhnend in die Couch, schlug die Hände über das Gesicht, schüttelte verständnislos den Kopf und murmelte: „Warum nur hast Du Dich mit einem Arschloch
eingelassen, der dich nicht einmal ficken will? Schliesslich hast Du selbst erzählt, dass er Dich für andere Liebschaften verdorben habe...Was ich bestätigen kann, denn nie habe ich Dich von
anderen Männern sprechen hören, noch nie hast Du mir einen anderen vorgestellt!“
Ich schwieg und überlegte. Schliesslich sagte ich ganz leise zu ihr: „Wenn Du einmal in den Genuss gekommen bist, mit einem Mann die metaphysischen Höhen von Geist
und Körper erklimmen zu können, dann wirst Du nie mehr etwas anderes wollen. Es wird für Dich Voraussetzung, Anspruch und Erwartung.“ Jetzt schaute Janine mich betreten und verständnislos an. Als
sie ihre Stimme wieder fand, löcherte sie mich mit der nächsten Frage: „Und warum bitte schön, ist er nun nicht hier, wenn ihr so gut zusammen passt?“ - Ich antwortete gereizt: „Er glaubt an das
Schicksal. Aber er testet es aus. Und überhaupt, Janine: Ich hatte durch ihn und unserer gemeinsamen Erotik viele Orgasmen, es gibt nicht nur den einen Orgasmus durch das Glied in der Scheide!“.
- Beschwichtigend hob sie die Arme „Schon gut, aber warum ist er nicht hier?“ - „Der Kurs war fertig und wir kehrten ohne Adressenaustausch wieder in unser gewohntes Leben zurück. Nur mit einer
persönlichen Erfahrung reicher.“
Janine glotzte mich wieder an. Fassungslos zischte sie: „Du bist Dir aber sicher, dass Du die Psychotherapie nicht selbst brauchst und vor allem, dass dieser Lucca
sich nicht auch noch für Napoleon hält?“ - Ich umarmte Janine nur innig, stand auf und sagte: „Es war ein langer Tag, ich möchte jetzt schlafen gehen. Und morgen ist der grosse Maskenball und
dafür will ich mich ausruhen. Willst Du nun bleiben oder nach Hause gehen?“- „Ich bin zu erschlagen von Deinem eben erzälten Drama, ich bleibe bei Dir.“
Prinzessinnenhaft und äusserst nervös stand ich in meinem Kostüm am Eingang zum grossen Saal des langersehnten Balles der autodidaktischen Gesellschaft für erlebte
Historik. Ich wartete darauf, dass der Butler mich als Duchesse of Blackwell ankündigte und ich bei den Gastgebern, dem Vorstand unserer Gesellschaft, die vollzählig auf der Treppe zum ersten
Obergeschoss standen, meine Aufwartung machen konnte. Nachdem ich meine Verbeugung nach der exakten Belehrung von Herrn Cux gemacht hatte und ich mich wieder aufrichtete, um die Begrüssungsworte
der Gastgeber zu hören, blickte ich in wohlwollende und anerkennende Augenpaare älterer Herren. „Lady Blackwell, Sie sind das Juwel des heutigen Abends – eine wunderschöne Frau. Ihr Tischnachbar
ist zu beneiden!“, richtete der Präsident das Wort an mich. - „Danke für das liebenswürdige Kompliment, Mylord“, entgegnete ich bescheiden.
Der Präsident fiel aus der Rolle, als er heftig erwiderte: „Nein Frau Lambard, Sie sind wirklich heute für mich die attraktivste Frau auf Erden!“ - Ein betretenes
Schweigen setzte ein bis ein anderes Vorstandsmitglied einlenkend meinte: „Duchesse Blackwell, Ihr Tischnachbar ist eines unserer wenigen Ehrenmitglieder der Gesellschaft. Auch er ist heute abend
ein Duke. Der Duke of Carrington. Aber im wahren Leben übt er denselben Beruf wie Sie aus - Psychiater. Sie könnten also viel Gesprächstoff miteinander teilen. Er heisst Lucca Krentz.“ Ich nickte
und senkte den Kopf ehrvoll, bevor ich mich entfernte, um in den Saal eintreten zu können.Zielgerade ging ich zum Buffet, holte mir ein grosses Glas Brandy und begab mich eilend auf die Terrasse,
um die erhalte Information allein verdauen zu können.
Lucca war hier. Lucca! Nach den gestrigen Spötteleien von Janine über das Schicksal, schlug mir das Leben heute einen Streich namens Lucca.
Fortsetzung folgt am Montag, 9.11.2009 um 21.11 Uhr
Neueste Kommentare