Dienstag, 6. oktober 2009 2 06 /10 /2009 21:12
Die Tage wurden wieder kürzer. Wenn ich morgens zur Arbeit losging, war es noch dunkel; und wenn ich abends nach Hause kam war es dunkel. Eigentlich ist diese Jahreszeit der Beginn meiner liebsten Zeit im Jahr.
Ich mag es, wenn die Nacht vorherrscht. Wenn sie die Stille durch die sanft niederlegende Dunkelheit mitbringt. Jede Alltäglichkeit beherbergt dann plötzlich etwas Ruhiges, Geheimnisvolles, weckt die verhaltene Neugier auf die, im eigentlichen Sinne, banalen Gegebenheiten. Sogar der Einkauf nach der Arbeit wird zu etwas Besonderen.
Es liegt an der Beleuchtung in der ganzen Stadt, den vielen Lichtern in den Strassenbahnen und Wohnhäusern, die eine festliche Stimmung verbreiten; und sogar die Leuchtreklamen der Geschäfte wirken nicht vulgär anstössig, sondern fröhlich und übermütig einladend. Die Jahreszeit steht dann im krassen Gegensatz zu der geschäftigen Illusion in den  Strassen der Einkaufshäuser. Genau so wird mein Faible für Kontraste gestillt und ich lasse mich dann dazu hinreissen, mehr zu kaufen, als ich ursprünglich geplant hatte.

So war es auch an jenem donnerstag abend. Zugepackt mit Einkaufstüten, öffnete ich die Hauseingangstüre und mein Briefkasten stach mir sofort ins Auge – wie er wohl jedem, der vorbeigegangen war, aufgefallen sein musste. Ausgerechnet mein Briefkasten schien SOS-Notsignale auszusenden; er schien, in der mir zugestellten Post, unterzugehen.
Ich stopfte beschämt und deshalb schnell die Briefe ungesehen in eine Tüte.  Dabei dachte ich an meine Hauswirtin, welche sicherlich, dank meinem Briefkasten, den ganzen Tag über wieder Gesprächsstoff für die Nachbarschaft gehabt haben muss. Wie diese frustrierte Frau heute, dank meinem übervollen Postbehälter, wieder über die emanzipierten, jungen Frauen herziehen konnte. Im Geiste hörte ich sie keifend sagen: „Typisch, nur ihre Karrieren haben sie im Kopf, diese jungen Weiber! Beweisen müssen sie sich gegen alt bewährte Regeln. Dabei sind diese ach so gescheiten Frauen nicht mal fähig den Haushalt zu führen. Ich sag’s ja immer: Diese Welt verkommt!“
Endlich, und niemanden im Treppenhaus kreuzend, kam ich in meiner Wohnung an. Ich stellte meine Einkäufe ins Wohnzimmer, zündete mir Kerzen an, legte eine Erroll Garner Platte auf und brühte mir einen süssen Tee auf. Schnell schlüpfte ich noch in meine bequeme Jogginghose, zog mir warme Wollsocken über. Dann kuschelte ich mich in die Decke auf meinem Sofa ein und begann sorgfältig meine reizvollen Einkäufe auszupacken. Ich hatte mir selbst wieder viele Geschenke gemacht. Bücher, Hörspiele, Langspielplatten, Dekorationskrams, eine Immergrün-Zimmerpflanze, Briefpapier, Kosmetika, Teemischungen und eine Flasche Whisky, mit der ich meinen Lieblingsdrink, den Whisky sour, optimal mixen zu können, erhoffte.
Leidvoll blickte ich zu meiner Minibar hinüber. Sie hatte etwas von meinem Briefkasten; sie war auch randvoll. Gefüllt mit vollen Whiskyflaschen. Sie waren alle Zeugen meines Ehrgeizes den perfekten Whisky sour mixen zu können – und gleichzeitig symbolisierte jede einzelne das Versagen meiner bisherigen Versuche. Bis anhin hatte ich ihn noch nicht gefunden – den Whisky, der die völlige Harmonie im Whisky sour garantiert. Ich schaute die neue Flasche in meinen Händen an und wollte es wissen: hatte ich mit genau dieser Flasche den Schlüssel zu der obersten Sphäre des Whisky sours wohl gefunden.

Als ich mich wieder gesetzt hatte, erwartungsvoll das Glas mit Zuckerrand und einer vielversprechend, genau richtig farbenen Flüssigkeit zu schlürfen begann, wusste ich, es war fehlgeschlagen, meine Minibar würde wieder anwachsen und diese Flasche jahrzehntelang hüten.
Von diesem Gedanken betrübt, schoss mir meine ungeöffnete Post in die Erinnerung. Mit Ungeduld griff ich zum Brieföffner, hielt aber beim ersten Couvert inne. Es war aus Pergament und mit einem Siegel versehen. Meine Adresse stand in Kalligraphie-Buchstaben fein säuberlich geschrieben da. Als Krönung war die eigens dafür bestimmte und gedruckte, limitierte Briefmarke mit dem Symbol des diesjährigen Mottos, aufgeklebt.
Genau einmal im Jahr wurde mir ein solcher Brief zugestellt. Genau einmal im Jahr verblasste, neben diesem Brief, die sonst so lebenslustige Farbenprächtigkeit meiner glücklichen Welt. Mit diesem Brief wurde mir die grösstmöglichste Vorfreude geschickt. Mit diesem Brief fiel der Startschuss für meine Imaginationskünste. Mit diesem Brief wurde ich wieder zu einem einmaligen Abenteuer eingeladen. Ich begann zu lesen: .......

... Fortsetzung folgt am 8. 10. 2009 um 23.59 Uhr ...
von Vivienne Vernier - veröffentlicht in: Vierte Story - Community: Sex in the City- The Reallife
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Zur Definition

arte kommt von ars, artis und bedeutet: Handwerk, Gewerbe. Handwerkszeug, treiben; Geschicklichkeit, Kunstfertigkeit. Beharrlichkeit; Mittel und Wege. Kunstgriff, Kniff; Handlungsweise, Eigenschaft, üble Gewohnheiten; Kunst, Wissenschaft. Dialektit; Dichtkunst; Beredsamkeit; Kunstlehre, Kunsttheorie. Nach den Regeln der Kunst; Gefühl für Kunst.

PORNO wird so definiert: Das aus dem Altgriechischen abgeleitete Kunstwort „Pornografie“ bedeutet wörtlich unzüchtige Darstellung; von griechisch πόρνη (pórne) = Dirne, πόρνος (pornos) = Hurer, auch Unzüchtiger, πορνεία (porneía) = Unzucht und altgriechisch γραφειν (graphein) = malen, schreiben, beschreiben.
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